Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Sieben Tischreden beim ersten Kölner Frauenmahl

Ob Krimi-Autorin oder Bürgermeisterin, Architektin oder Islamwissenschaftlerin - sieben Frauen gaben vielfältige Impulse

24.11.2011

„Leibliche und geistige Genüsse“ hatte das erste „Rheinische Frauenmahl“ in Köln seinen Besucherinnen versprochen. Leibliche und geistige Genüsse gab es auch in Hülle und Fülle bei der Veranstaltung in der Kölner Trinitatiskirche, an der mit den Veranstalterinnen und den sieben Tischrednerinnen mehr als 100 Frauen teilnahmen.

Die drei Veranstalterinnen Sabine Richarz, Katja Kriener und Heike von Hagen trafen sich gut gelaunt zur letzten Absprache kurz vor Beginn des Frauenmahls
Kirche wurde zu einem festlichen Raum
Eigentlich wollten noch viel mehr Frauen an diesem Mahl teilnehmen, sie mussten jedoch auf eine Warteliste, sonst wäre der Abend organisatorisch kaum möglich gewesen. Die Trinitatiskirche war im gesamten Mittelschiff in Tisch- und Raumdekoration farblich aufeinander abgestimmt und bot den Besucherinnen ein sehr harmonisches Bild beim Eintritt in die Kirche. Die Kirche wurde so zu einem festlichen Raum. Eingeladen hatten die Frauenbeauftragten des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Das waren: Heike von Hagen, Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Köln-Mitte, Frauenreferentin Katja Kriener und Sabine Richarz, Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch.



Trio Imperial mit gehobener Unterhaltungsmusik
Den Auftakt machte das Trio Imperial, mal mit leiser, stimmungsvoller Musik, mal mit bekannten Ohrwürmern, zu denen das Publikum mitsingen oder mitklatschen konnte. Klassische Musik wechselte mit gehobener Unterhaltungsmusik ab. Sieben Tischreden gab es dann zum erlesenen 4-Gänge-Menü. Unter anderem ließen sich die Frauen gewürzgebeizten Lachs in Rosenform mit Matjestatar-Kern, eine Kürbiscreme-Suppe und Perlhuhnbrust mit kräftiger Rotweinjus schmecken, während sie mit ihren Tischnachbarinnen rege ins Gespräch kamen.



Elfi Scho-Antwerpes (mi.), Katja Kriener (li.) und Heike von Hagen

Elfi Scho-Antwerpes: „Evangelische Kirche nimmt Vorreiterrolle ein“
„Mit welchem Beitrag sollen Kirche und Religionen auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren, die von gesellschaftlichen Umbrüchen, sozialen Spannungen und Katastrophen erschüttert ist?“ Dieser Fragestellung haben sich die sieben Referentinnen gestellt – die übrigens alle ohne ein Honorar den Abend mitgestaltet hatten. „Die Evangelische Kirche engagiert sich in besonderer Weise für das friedliche, zukunftsgerichtete Zusammenleben durch aktives Tun. Sie setzt sich nachdrücklich auseinander mit den gesellschaftlichen Umbrüchen und ihren Folgewirkungen, die auch zu sozialen Spannungen führen können“, formulierte Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes ihren Eindruck von „ihrer Kirche“. Oftmals nehme die Evangelische Kirche eine Vorreiterrolle an, wenn es um die Interessen der Frauen gehe. „Und das nicht nur in unserer Stadt, sondern überall im Land in unterschiedlichen Zusammenhängen“. Scho-Antwerpes nannte den Evangelischen Frauenbund als gelungenes Engagement „von Frauen für Frauen“. Dennoch gebe es noch einiges zu ändern: „Trotz der Erfolge der Frauenbewegung gilt es auch heute noch, die völlige Gleichstellung von Mann und Frau im wirklichen Leben zu realisieren“. Das "typisch Weibliche“ ist für Elfi Scho-Antwerpes das „tatkräftige Tun“. Zum Abschluss ihrer Rede zitierte sie die Schauspielerin Eleonora Duse: „Ohne Frauen geht es nicht. Das hat sogar Gott einsehen müssen.“ Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.



Pfarrerin Ulrike Gebhardt

Ulrike Gebhardt: „Die eigenen Hoffnungen nicht klein reden lassen“
40 Jahre in die Zukunft blickte die Lindenthaler Pfarrerin Ulrike Gebhardt während ihrer Tischrede. Denn nach 40 Jahren sei eine neue Generation herangewachsen. In einem fiktiven Gespräch mit Jugendlichen, so stellte sie es sich vor, solle sie von den Umbrüchen vergangener Jahrzehnte berichten. „Als ich junge Pfarrerin war, waren weltweit in nur wenigen Kirchen Frauen zum Pfarramt zugelassen. Doch schon um die Jahrtausendwende hatten nur ganz wenige Evangelische Kirchen in der Welt die Frauenordination noch nicht eingeführt. Das war eine große Erfolgsgeschichte, die die Kirche verändert hat“, erzählt die Pfarrerin den jungen Menschen in der erdachten Geschichte. Sie erinnerte sich auch an viele Kämpfe um Bibelübersetzungen: „Weibliche Gottesbilder – das schien Einigen der Untergang der gesamten Zivilisation“. Da komme Leben in die Jugendgruppe, „so viel Rückständigkeit finden sie witzig“, vermutet Gebhardt. Was würde sie den Jugendlichen in 40 Jahren mit auf den Weg geben? Sie sollten die Bibel lesen, in unterschiedlichen Übersetzungen und sich die „eigenen Hoffnungen nicht klein reden lassen“. Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.



Krimi-Autorin Gisa Klönne

Gisa Klönne fordert „Mut, ganz selbstverständlich auch eine weibliche Sicht zu pflegen“
Sie werde „strikt subjektiv sprechen“, erklärte die Krimi-Schriftstellerin Gisa Klönne, „aus der Sicht einer Frau, einer Feministin“. Die Enkeltochter eines evangelischen Pfarrers aus Mecklenburg kennt die Evangelische Kirche auch von Familientreffen. Gäbe es die Frauenordination nicht, „wäre die Evangelische Kirche nicht die, die sie heute ist, und ich wäre vermutlich irgendwann ausgetreten“, erklärt sie ihren Zuhörerinnen. „Weil ich mich als Frau wohl nicht vertreten und angesprochen gefühlt hätte“. Für ihre Tischrede hat sie eine Vision entwickelt mit der zentralen Frage „Wie wird die Evangelische Kirche fit für die Zukunft?“ Gisa Klönne: „Meine Vision ist eine Kirche mit weiblich geprägter Spiritualität. Mit weiblicher, ja feministischer Theologie. Mit sinnlichen, vielleicht auch bunteren Ritualen im Gottesdienst.“ Eine Eigenschaft ist der Friedrich-Glauser-Preisträgerin außerdem wichtig: „Wenn ich meine Vision für die Sache der Frauen in der Kirche in einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre dies Mut. Mut, auf allen Ebenen und in allen Belangen, ganz selbstverständlich auch eine weibliche Sicht zu pflegen. Mut also, für die Sache der Frauen laut zu werden, in bester lutherischer Tradition: Hier stehe ich und kann nicht anders“. Dazu gehöre auch das Beharren, das sich Nicht-einschüchtern-lassen, appellierte sie an die Frauen und erzählte – ganz nebenbei – dass sie derzeit für einen Familienroman die Vergangenheit ihrer Vorfahren recherchiert. Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.



Islamwissenschaftlerin Katajan Amipur

Katajun Amipur: Offenheit für Dialog ist „nichts anderes als die Früchte des Baums der Demut“
Von einer Idee, die sie momentan umtreibe, von einer „Theologie des Dialogs“ erzählte die Islamwissenschaftlerin Professorin Dr. Katajun Amipur. Seit Oktober ist sie Professorin für Islamische Theologie an der Universität Hamburg, an der Akademie der Weltreligionen.“ Ich persönlich sehe sehr viel Potenzial für eine dialogorientierte Theologie, wenn man nur hingeht und die alten, prägenden Texte der islamischen Kultur sich neu anschaut und sie auf eine solche Theologie hin liest“, betonte Amipur. Natürlich gehe der Islam davon aus, dass der islamische Weg der rechte Weg zu Gott sei. „Alle monotheistischen Religionen meinen, nur sie wiesen den rechten Weg – und die anderen täten dies nicht." Um ihre Vorstellung einer „Theologie des Dialogs“ zu verdeutlichen, erzählte sie in guter arabischer Tradition eine Geschichte. Die Geschichte von einem Elefanten, der im Dunklen stand und von vielen Händen berührt wurde. „Der eine hielt den Elefanten für eine Regenrinne, der andere für eine Säule, der Dritte für einen Thron“. So unterschiedlich sei die „Erkenntnis des einen selben Dings“, sagte die Isamwissenschaftlerin. Sie zitierte den Sufi Rumi: „Wir alle halten einen Teil der Wahrheit in unserer Hand und niemand hat sie ganz. Das Eingeständnis jedoch, dass unser Wissen so defizitär ist, sollte ausreichen, uns demütiger zu machen. Und Toleranz, Offenheit für Pluralität und Dialog sind nichts anderes als die Früchte des Baums der Demut“. Eine spezifisch weibliche Perspektive sei ihre Idee jedoch nicht. Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.



Tischrednerin Bermejo (li.)

Ana Maria Bermejo: “Wir müssen als Erstes unsere persönliche Lebensaufgabe kennen“
Den Blick auf Köln richtete die Architektin und Stadtführerin Ana Maria Bermejo, die von sieben Frauen im südlichen Teil des Kölner Rheinauhafens sprach. „Eine von den Damen möchte ich Ihnen kurz vorstellen, da sie sehr gut in die heutige Veranstaltung passt. Es ist die großherzige, evangelische Stifterin Laura von Oelbermann, nach der eine der Promenaden im Rheinauhafen benannt wurde“, eröffnete sie ihre Thesen und erzählte, die Dame sei 1846 geboren, habe sich reich verheiratet. Launig fuhr sie fort: „Bis in die 60er Jahre pflegte man in Köln zu sagen ‚Kind, ich bin doch nit et Frau Oelbermann’, wenn Kinder Geldforderungen an ihr Eltern stellten.“ Oelbermann widmete sich sozialen Projekten, gründete ein Heim für Wöchnerinnen und ihre Säuglinge, gründete den Evangelischen Verein für Frauenhilfe und stiftete das Evangelische Krankenhaus Weyertal. „Wir alle besitzen, mehr oder weniger, die Talente, Fähigkeiten und Begabungen dieser Frau“, ist sich Bermejo sicher. Laura von Oelbermann habe ihre persönliche Lebensaufgabe gefunden und ihren Beitrag zu den gesellschaftlichen Herausforderungen geleistet. Bermejo: „Damit wir auf die heutigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts reagieren können, müssen wir als Erstes unsere persönliche Lebensaufgabe kennen. Unsere Lebensaufgabe haben wir dann gefunden, wenn wir das machen, was in uns Begeisterung und Leidenschaft weckt, was uns am meisten Freude macht, und bei dem wir uns am lebendigsten fühlen“.



Tischrednerin Behr (li.) im Gespräch

Gabriele Behr: „Wir sollten überall als Frauen ganz selbstverständlich dabei sein!"
Von der „Frau in der Katholischen Kirche“ erzählte Gabriele Behr, Vorsitzende des Kreiskatholikenrates für den Rheinisch-Bergischen Kreis. Es habe sich viel getan in „meiner Kirche“, so Behr. „Wir treffen in den Gemeinden heute ebenso auf hauptamtliche Seelsorgerinnen, wie auch auf Frauen, die im Ehrenamt gerne ihre Charismen, Kompetenzen und kommunikativen Fähigkeiten einbringen und einen Teil ihrer Lebenszeit zur Verfügung stellen“. Und trotzdem sei sie, „natürlich nicht“ zufrieden mit dem Erreichten. Sie wünscht sich unter anderem, „dass die Möglichkeiten der Gemeindeleitung, die das Kirchenrecht schon jetzt einräumt, voll ausgeschöpft werden und haupt- wie ehrenamtlich tätige Frauen Leitung wahrnehmen werden und so ‚Riesengemeinden’ vermieden werden“. Ein weiterer Wunsch an ihre Kirche, die sie „leidenschaftlich gern verändern will“, an deren Verhältnissen sie jedoch nicht leide: „Dass Frauen endlich zu Diakoninnen geweiht werden“. Sie halte es da mit der ersten bundesdeutschen Ministerin, Dr. Elisabeth Schwarzhaupt, die gesagt habe: „Wir sollten überall als Frauen ganz selbstverständlich dabei sein!" Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.



Südwind-Mitarbeiterin Dr. Sabine Ferenschild

Sabine Ferenschild: „Bedrängnisse, Nöte und Sorgen der bei uns Fremden als eigene verstehen“
Kurz vor Ende der Veranstaltung, nach einem reichlich genussvollen Mahl, rüttelte Dr. Sabine Ferenschild, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut „Südwind“, die Zuhörerinnen mit einem eindringlichen Appell nach Gerechtigkeit noch einmal auf und nannte Zahlen: 200 Millionen Arbeitsmigrantinnen und –migrannten gebe es weltweit, davon 100 Millionen Frauen. Allein in China seien 200 Millionen Menschen als Binnenmigrannten unterwegs, „um in einem anderen Teil des Landes eine Arbeit und damit Existenzsicherung zu finden“. Sie würden als Fremde wahrgenommen, die Leben und Arbeitsplätze der Mehrheitsgesellschaft bedrohten, hätten miserable Wohnbedingungen und keine soziale Sicherung. „Was hat das mit uns zu tun?“ fragte sie in die Runde und gab gleich eine Antwort: „Zum einen produzieren die Wanderarbeiterinnen in China die vielen schönen Dinge, die wir hier so preiswert kaufen können“, zum andren arbeiteten Migrannten „in großer Zahl auch bei uns, hier in Köln“. Ferenschild forderte: „Kirche, ob als Kirche im Hier und Jetzt oder als Kirche der Zukunft, kann nur Kirche sein, wenn sie die Bedrängnisse, Nöte und Sorgen der bei uns Fremden als ihre eigenen Bedrängnisse, Nöte und Sorgen versteht“. Daraus folge nicht nur die Verpflichtung zu diakonischem Handeln, sondern auch die „Vergegenwärtigung, dass uns in den Fremden Christus begegnet“. Hier lesen Sie die gesamte Tischrede.

Wunsch nach Wiederholung
Offensichtlich war: Die Frauen sind miteinander ins Gespräch gekommen und die Tischreden wurden als äußerst anregend empfunden, die Musik und das Essen taten ihr Übriges, um zum Gelingen des Abends beizutragen. „Für mich haben die Atmosphäre, das Essen und die Musik eine runde Sache aus der Veranstaltung gemacht“, erzählte eine der Teilnehmerinnen und Viele wünschten sich eine weitere Veranstaltung dieser Art. Eine Frau trat sogar ans Redepult und formulierte ihren Dank an die Veranstalterinnen und Referentinnen über das Mikrofon. Großen Applaus, man könnte schon sagen Standig ovations, erhielt auch die Küsterin Ursula Delhougne für den gelungenen Abend.



Text: Angelika Knapic
Foto(s): Dorothee Schaper

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