Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

450 Jahre Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath

Auftakt des Jubiläums mit Festgottesdienst und Empfang

28.11.2011

„450 Jahre – das ist auf den ersten Blick ein unvorstellbar langer Zeitraum“, sagte Pfarrerin Andrea Vogel in ihrer Predigt in der Kirche Volberg am Vorabend des Ersten Advent. Die Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch war die Gastpredigerin des Festgottesdienstes, mit dem die Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath nicht nur das neue Kirchenjahr sondern auch ihr Jubiläumsjahr eingeläutet hat. Pfarrer Thomas Rusch gestaltete den Gottesdienst liturgisch. Musikalisch beeindruckte die Kantorei unter der Leitung von Doris Röskenbleck.

Die Gemeinde beim Festgottesdienst
Ein solches Jubiläum sei eine Chance, zurückzuschauen und gleichzeitig die Zukunft in den Blick zu nehmen, so Vogel. „Wir werden uns unserer Wurzeln bewusst und können Gemeinden so verändern, dass Menschen sich auf den Weg zu Gott machen und das Abenteuer des Glaubens erkennen.“ Dieses „Abenteuer des Glaubens“ habe auch Martin Luther gelebt, als er erkannt habe, „Gottes Gnade ist keine fordernde sondern eine schenkende.“ Die Gewissheit, dass „uns die entscheidenden Dinge durch Gnade zufallen“, mache die „heitere Gelassenheit“ evangelischen Glaubens aus.

„Die Gottesgnad alleine“ – Kirchweihgedenklied und Jubiläumsmotto

„Wir stehen in einer Reihe von Männern und Frauen, die sich für ihren Glauben eingesetzt haben“, sagte Andrea Vogel angesichts des Gemeindejubiläums. In ihrer Predigt erinnerte sie auch an Lucia Anna von Loë: Die Freifrau spendete im 18. Jahrhundert mehrfach großzügige Beträge zur Sanierung der baufälligen Kirche Volberg. 1747 waren es 250 Reichstaler, die für ein neues Gewölbe benötigt wurden. Ein Jahr später stiftete Lucia Anna von Loë den stattlichen Betrag von 1000 Reichstalern. Dank dieses Betrages, für den ein Maurer ein Jahr lang hätte arbeiten müssen, konnte der Kirchturm erneuert werden. Zum Gedenken an die noble Stifterin sollte die Gemeinde an jedem Sonn- und Feiertag das Lied „Nun lob, meine Seele, den Herren“ singen. „Es war sicherlich etwas viel verlangt, in jedem Gottesdienst das gleiche Lied zu singen, weshalb man dann später diesen Gesang zum Kirchweihgedenklied umfunktionierte“, schreibt Dr. Karlheinz Fallaschinski, Presbyter und Vorsitzender des gemeindlichen Festausschusses in der Schrift, die der Geschichtsverein Rösrath zum Jubiläum herausgegeben hat. Zu jedem Pfingstfest denkt die Gemeinde nun mit Lied 289 des Evangelischen Gesangbuches an die Freifrau Anna von Loë. Die vierte Strophe dieses Kirchenliedes aus dem 16. Jahrhundert beginnt mit „Die Gottesgnad alleine“. Dies brachte Karlheinz Fallaschinski auf die Idee, das gesamte Jubiläumsjahr unter dieses Motto zu stellen.


Superintendentin Andrea Vogel bei ihrer Predigt auf dem „Bergischen Kanzelaltar“ in der Volberger Kirche


Jubiläumsjahr mit prominenten Gastpredigern

Theologische, politische, musikalische und historische Inhalte prägen die rund 80 Veranstaltungen, zu denen die Gemeinde während des Jubiläumsjahres einlädt, vom Poetischen Nachtgebet und Protestantisch-Politischem Frühschoppen über Konzerte und Kabarett bis hin zu Führungen und besonderen Gottesdiensten. Zu Beginn der Festwochen im Juni 2012 wird der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof in Ruhe Dr. Wolfgang Huber, predigen. Mit Volberg verbinden ihn verwandtschaftliche Beziehungen. Eine Woche später hält der aktuelle EKD-Vorsitzende und Präses der Rheinischen Landeskirche, Nikolaus Schneider, die Predigt. Über „Volberg und die Reformation“ hält die Historikerin Gabriele Emrich am 11. Januar, 19.30 Uhr, im Gemeindesaal an der Versöhnungskirche Rösrath einen Vortrag.

Anfänge der Reformation in Volberg bleiben unklar

Spannend bleibt die Frage, ob die Gemeinde das Jubiläum 2012 zu Recht feiert. Denn die tatsächlichen Anfänge der Reformation in Volberg liegen trotz umfangreicher historischer Forschungen nach wie vor im Dunkeln, wie nach dem Gottesdienst der Vorsitzende des Presbyteriums der Gemeinde, Norbert Lenke, in seiner Ansprache auf dem Empfang im Bürgerforum in Hoffnungsthal betonte. Lenke hob in seinem Beitrag besonders die Verdienste von Dr. Karlheinz Fallaschinski um das historische Jubiläum hervor, der den Festausschuss der Kirchengemeinde leitet und auch an der Festschrift des Geschichtsvereins Rösrath e. V. mitwirkte. Auf dem Empfang entboten auch der Bürgermeister der Stadt Rösrath, Bernd Mombauer, und der katholische Ortsgeistliche, Pastor Franz Gerards, ihre Grüße; letzterer mit viel ökumenischem Humor und erfrischender katholischer Selbstironie - Gerards überreichte seinem evangelischen Amtsbruder Pfarrer Thomas Rusch einen Original-Weihwasser-Sprenger („Den hatte ich noch in der Schublade, ich zeige Dir eben hier mal, wie man den gebraucht, der funktioniert übrigens auch beim Wäschebügeln...“) unter der heiteren Anteilnahme und viel Applaus aller Anwesenden. Die innerevangelische Ökumene war vertreten durch Pastor Stephan Mütschard von der Christlichen Gemeinde Hoffnungsthal. Der Freikirchler fand wertschätzende Worte zum 450. Bestehen der Ortsgemeinde, aus der heraus sich die Christliche Gemeinde Hoffnungsthal vor Jahrzehnten gegründet hatte, und hielt einen historisch-theologischen Rückblick auf die Entwicklung des reformatorischen Glaubens. Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von dem Chor der „Young Voices“ unter der Leitung von Kantorin Doris Röskenbleck, deren Darbietung dem Fest-Publikum ein begeisterter Schlussapplaus wert war.


Presbyteriumsvorsitzender Norbert Lenke begrüßt die Festgäste beim Empfang im Hoffnungsthaler Bürgerhaus

„Mit dem Notariatsakt von 1567 haben wir ein starkes Indiz, dass sich zu diesem Zeitpunkt die Volberger Gemeinde von der katholischen Kirche abgewandt hatte“, schreibt Gabriele Emrich in dem Schriftenband des Geschichtsvereins. Diese Urkunde, die allerdings nur als Abschrift vorliegt, sei „der älteste im Archiv der evangelischen Gemeinde Volberg erhaltene Nachweis für den Bruch mit der alten Kirche“. Wahrscheinlich aber habe sich die Gemeinde schon vorher von der „alten“ Kirche abgewandt, schreibt die Historikerin: „Die Kollation durch einen Notar verdeutlicht, dass wohl der Kollator und ein großer Teil der Gemeinde bereits dem evangelischen Glauben zugeneigt waren, denn Pfarrkirche und Pfarrhof verblieben auch späterhin der evangelischen Gemeinde, während sich die katholisch verbliebenen Einwohner nach Altenrath orientieren mussten.“


Pastor Franz Gerards erklärt seinem evangelischen Amtsbruder Thomas Rusch den Gebrauch des „Weihwasser-Sprengers“

Das Buch des Geschichtsvereines „Die Gottesgnad alleine“ (Band 41) ist in den Gemeindeämtern sowie im Buchhandel vor Ort erhältlich zum Preis von 17,50 Euro. Das vollständige Programm des Jubiläumsjahres sowie aktuelle Ergänzungen sind zu finden auf der Internetseite der Gemeinde unter www.evkirche-roesrath.de . Das gedruckte Programmheft liegt auch in den Kirchen und Gemeindeämtern in Rösrath aus.



Text: Martina Schönhals, Günter A. Menne
Foto(s): Jürgen Layer, Martina Schönhals