Domorganist Winfried Bönig spielt am „Glücksfall“: Musik aus der Fasten- und der Osterzeit in der Trinitatiskirche
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28.02.2010
„Diese Kirche hat offensichtlich gewartet auf dieses Instrument“, schwärmte Domorganist Professor Winfried Bönig vor seinem Konzert auf der Klais-Orgel op. 1643 in der Trinitatiskirche: „Es ist ein echter Glücksfall. Man hat das Gefühl, als ob diese Orgel speziell für diesen Raum geschaffen ist“. Dieses Lob über die Orgel, die vom Evangelischen Kirchenverband Köln und Region zum Jubiläum der Trinitatiskirche von der Aachener Dreifaltigkeitskirche erworben hatte, hörte Rolf Domning gerne. Der Stadtsuperintendent hatte das Publikum beim Konzertabend mit vorheriger Führung aus dem Festprogramm „Trinitatis 2010“, das 150 Jahre Trinitatiskirche sowie die Einweihung der Klais-Orgel feiert, persönlich begrüßt.
![]() | Konzertabend mit Domorganist Wilfried Bönig und Stadtsuperintendent Rolf Domning |
Architekt blieb der Einweihung fern
Zu Beginn des Abends informierte Stadtführer Günter Leitner in seiner Führung für die AntoniterCityTours über die Trinitatiskirche, ihre Geschichte und vor allem ihren Architekten Friedrich August Stüler. Leitner berichtete, wie Schinkel-Schüler Stüler als „Architekt des Königs“ das Gotteshaus auf Weisung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. im urchristlichen Stil erbaute, um hierdurch die Einheit der unierten protestantischen Kirche auszudrücken. Er verschwieg auch nicht, dass der Architekt der Einweihung seines Werkes fern blieb, weil er mit dem Ergebnis nicht sonderlich zufrieden war. Konzipiert hatte er den Bau nämlich für ein freistehendes, repräsentatives Grundstück im Zentrum Kölns. Gebaut wurde die Trinitatiskirche dann jedoch eingezwängt zwischen andere Häuser, so dass es fast unmöglich schien, Licht in den Kirchenraum zu bekommen. Bei aller Notwendigkeit zum Kompromiss jedoch ist die Trinitatiskirche heute einzigartig in der reichen Kölner Kirchenlandschaft.
Klais-Orgel auch im Kölner Dom
Den Übergang zum Konzert des Abends bildete ein Interview des Stadtführers Günter Leitner mit dem Orgelsolisten des Abends: Winfried Bönig erzählte dem Publikum nicht nur über seine Anfänge am Instrument mit 13 Jahren – einem, wie Bönig betonte, normalem Alter: „Man muss ausgewachsen sein, damit man mit den Füßen an die Pedale kommt“. Der Musiker plauderte auch über seine Anfänge in Bamberg, sein Studium der Fächer Orgel, Dirigieren und Kirchenmusik in München sowie seiner ersten Stelle als Organist an der katholischen Stadtpfarrkirche Sankt Josef in Memmingen. Obwohl er hier die ihm gewährten Freiheiten und nicht zuletzt auch die Nähe zu Italien sehr schätzte, ging Bönig 1998 nach Köln, wo er seitdem an der Hochschule für Musik als Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation den Studiengang Katholische Kirchenmusik leitet. 2001 dann wurde er zum Domorganisten am Kölner Dom berufen, wo ihm unter anderem auch eine Klais-Orgel zur Verfügung steht.
Beginn als "düsterer Marsch"
Winfried Bönig führte im Gespräch mit Leitner auch in die sechs Stücke ein, mit denen er seinen Abend „Orgelwerke von Bach bis Howells“ bestritt. Als „eine Mischung aus Musik zur Fastenzeit und zur Osterzeit“ charakterisierte der Domorganist sein Programm, das er mit Sigfrid Karg-Elerts „Prologus tragicus“ eröffnete. Dieses Werk der Spätromantik sei „fast wie eine Predigt“, so Bönig, und zitiere unter anderem „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“ sowie „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Es folgte ein Werk von Johann Sebastian Bach, mit dessen Zeitgenossen sich Bönig in seiner Dissertation beschäftigt hat: „Partita über ‚Sei gegrüßet, Jesu gütig‘, Choral mit 11 Variationen“ führte Bönig auf, „ein zentrales Stück“, wie er sagte. Den Schlusspunkt der Musik zur Fastenzeit bildete dann Herbert Howells „Psalm Prelude Nr. 3“, das sich mit der Textzeile „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht“ aus dem 23. Psalm beschäftigt – ein „schönes Tongemälde, das als düsterer Marsch beginnt, bevor es zu einem triumphalen Ausbruch kommt“.
Trinitatiskirche bereits renommierte Adresse
Den österlichen Teil leitete dann „Fanfare, Cantabile und Finale“ von Nicolas Jaques Lemmens ein, an dem Bönig vor allem begeistert, dass er mit seinen Werken seinerzeit „frischen Wind in die Orgelmusik gebracht hat“. Wolfgang Amadeus Mozarts „Adagio h-moll“ diene dann zum „Luftholen“, bevor es zum Abschluss „Improvisation über ‚Victimae paschali laudes‘“ von Charles Tournemire gab. Das Besondere an diesem Stück sei, erklärte Bönig, dass diese Improvisation über einen Gregorianischen Osterchoral eigentlich eine ganz spontane Improvisation gewesen sei, die erst nachträglich von Maurice Duruflé von einer Schallplattenaufnahme transkribiert wurde. Das trotz nassem Wetter gut besuchte Konzert endete mit begeistertem Applaus.
Dass die Trinitatiskirche nach mittlerweile nicht einmal zwei Monaten bereits als renommierte Adresse für Orgelmusik und andere Kulturveranstaltungen wahrgenommen wird, wurde dann auch nach dem Konzert deutlich – bei Wein, Kölsch und einem Imbiss standen da viele aus dem Publikum im angeregten Gespräch beisammen, das Programmheft „Trinitatis 2010“ in der Hand. „Dahin gehen wir auch“, hieß es immer wieder, wenn die kommenden Veranstaltungen in der Trinitatiskirche besprochen wurden. Dieses komplette Festprogramm „Trinitatis 2010“, in dem für das ganze Jahr 2010 eine Vielzahl meist kostenfreier Konzerte, Stadtführungen, Vorträge, Lesungen, Gottesdienste und öffentlicher Interviews zu finden sind, ist zum Herunterladen und Ausdrucken im Internet zu finden: www.trinitatis-2010.de
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