400 Jahre evangelisch in Mülheim am Rhein: Großes Programm mit Open-Air-Gottesdienst auf dem Wiener Platz und weitere Veranstaltungen
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10.12.2009
Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, bedeutete vor fast 400 Jahren für die evangelischen Menschen in Mülheim Befreiung, Erleichterung und Stolz zugleich. Mit dem ersten freien, öffentlichen protestantischen Gottesdienst, der vermutlich am Himmelfahrtstag 1610 stattfand, traten sie aus dem Dunkel der Illegalität und Verborgenheit ans Licht der Anerkennung ihres Glaubens. Dieser erste freie Gottesdienst war die Geburtsstunde der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Damit ist sie die älteste protestantische Gemeinde auf heutigem Kölner Stadtgebiet.
![]() | Mit den historischen Schätzen der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein präsentieren Pfarrerin Wilma Falk-van Rees (M.), Pfarrer Klaus Müller (2.v.r.) und Pfarrer Dietrich Grütjen (r.) sowie mehrere Autorinnen und Autoren die beiden Publikationen zum Jubiläum. |
Zahlreiche Festveranstaltungen zum Jubiläum
„In Köln ist es nicht schwierig, auf historischem Boden zu stehen“, schmunzelt Wilma Falk-van Rees, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Auf der sogenannten „Schäl Sick“ können sie da aber gut mithalten: 223 Jahre alt sind die Fundamente der heutigen Friedenskirche. Sie wurden 1786 errichtet, nachdem die große Eisflut auf dem Rhein 1784 den Vorgängerbau zerstört hatte. „Es ist die älteste von Anfang an protestantisch genutzte Kirche im Kölner Stadtgebiet“, betonte Falk-van Rees. Das Jubiläum werden die Mülheimer Protestantinnen und Protestanten ausgiebig feiern und würdigen. Bis Oktober 2010 stehen zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm – Gottesdienste, Konzerte mit Musik aus den vergangenen vier Jahrhunderten, Vorträge von früher in Mülheim tätigen Pfarrern und einer Pfarrerin, Führungen zu Orten protestantischen Wirkens im Stadtteil und Lesungen.
Open-Air-Gottesdienst auf dem Wiener Platz
Bei den musikalischen Veranstaltungen wird die gesamte Zeitspanne von der Gründung der Gemeinde bis zur Gegenwart abgedeckt. „Natürlich kamen wir an der ,Marien-Vesper‘ von Claudio Monteverdi nicht vorbei, die 1610, im Gründungsjahr der Gemeinde, entstanden ist, erzählt Kirchenmusikdirektor Christoph Spering, der maßgeblich an der Zusammenstellung des musikalischen Programms im Jubiläumsjahr beteiligt war. „Und wir wollen nicht nur sitzen und zuhören, sondern uns auch bewegen“, ergänzt Klaus Müller, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Damit verwies er auf die zehn Führungen zu unterschiedlichen protestantischen Orten in Mülheim, die die AntoniterCityTours für die Mülheimer Gemeinde organisieren. Höhepunkt des Festjahres ist eine ganze Festwoche, ausgehend vom Himmelfahrtstag am 13. Mai 2010. Und am Pfingstsamstag, 22. Mai 2010, findet ein Open-Air-Gottesdienst auf dem Wiener Platz im Herzen von Mülheim statt, vorher ziehen die Gemeindeglieder der aus der Mülheimer Kirchengemeinde hervorgegangenen mehr als 20 „Töchtergemeinden“ in einem Sternmarsch zum Wiener Platz. Der erste „Ableger“ war die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach im 18. Jahrhundert, die jüngste Tochter ist die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Buchforst-Buchheim, die 1968 selbstständig wurde.
Zwei Publikationen zum Jubiläum
Zum Jubiläum des 400-jährigen Bestehens der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein hat die Gemeinde auch eine umfassende Buchpublikation herausgegeben. „13 Autorinnen und Autoren haben darin die wechselvolle Geschichte unserer Gemeinde aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben“, berichtet Pfarrer Dietrich Grütjen, früher selbst Gemeindepfarrer in Mülheim und einer der Mitwirkenden bei der Entstehung des 368 Seiten starken und mit mehr als 50 Bildern illustrierten Buches. Von den Anfängen bis zur Gegenwart sind darin die wichtigen Stationen protestantischen Lebens in Mülheim enthalten. Mehr als zweieinhalb Jahre haben die Organisatorinnen und Organisatoren an diesem Projekt gearbeitet. Eine zweite Publikation zum Jubiläum widmet sich der Geschichte des evangelischen Friedhofes an der Bergisch Gladbacher Straße 86. „Ich weisz an welchen ich glaube“ ist der Titel der Broschüre, die Dietrich Grütjen und Wilma Falk-van Rees von der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein sowie Annette Scholl von der Evangelischen Gemeinde Köln (Publikationsreihe der AntoniterCityTours) herausgegeben haben. Auf 84 Seiten werden einzelne Grabstätten und –steine, Stelen und Denkmäler vorgestellt. Die ältesten Grabsteine stammen aus dem Jahr 1614. Anhand der Gräber der Toten erschließt sich ein lebendiges Bild des protestantischen Gemeindelebens durch vier Jahrhunderte.
Lutheraner und Reformierte vereinigten sich 1837
Das begann mit der Gründung der Gemeinde im Jahre 1610. Vom Fürsten zu Jülich-Kleve-Berg erhielten die Protestantinnen und Protestanten das Privileg, in Mülheim eine Kirche zu bauen und Pfarrer zu berufen. Damals galten die Reformierten (von Calvin herkommend) und die Lutherischen noch als zwei getrennte Konfessionen und waren organisatorisch selbständig. Erst 1837 wurden, auch auf Bestrebungen des preußischen Königs, die lutherische und die reformierte Gemeinde vereinigt. Schon bald nach der Gründung begann die Gemeinde mit dem Bau von Kirchen. Doch schon 1615 ließen die Kölner die missgünstig beäugte, aufstrebende Nachbarstadt auf der anderen Rheinseite und damit auch die protestantischen Gotteshäuser niederbrennen. Eine nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtete Kirche fiel 1784 der großen Eisflut auf dem Rhein zum Opfer.
„Offene Friedenskirche“ als Kulturforum
1786 wurde dann eine neue Kirche an der heutigen Wallstraße 70-72 errichtet. Nach der Vereinigung der lutherischen und der reformierten Gemeinde erhielt sie den Namen Friedenskirche und bildet seitdem das Herzstück der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Die wuchs Ende des 18. Jahrhunderts durch die zunehmende Industrialisierung in Mülheim stark an, so dass ein zweites Gotteshaus notwendig wurde. Von 1893 bis 1895 wurde daher an der heutigen Regentenstraße die stattliche Lutherkirche errichtet. Beide Kirchen wurden im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen schwer beschädigt. Durch die großzügige Spende von 10.000 Dollar der amerikanischen Lutheraner konnte aus den Steinen der alten Lutherkirche die Luther-Notkirche gebaut und am 16. Januar 1949 eingeweiht werden. 1960 war dann auch die Friedenskirche soweit wieder aufgebaut worden, dass sie zum ersten Advent der Gemeinde übergeben werden konnte. Als „Offene Friedenskirche“ ist sie mittlerweile nicht nur ein Ort für Gottesdienste, sondern auch Veranstaltungsraum für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Filmnächte, Klangcollagen, Diskussionen und Gottesdienste in neuer Form. Neben den beiden Kirchen stehen den rund 5000 Gemeindegliedern mit dem Andreae-Haus an der Graf-Adolf-Straße und dem 2001 eingeweihten Peter-Beier-Haus zwei weitere Versammlungsstätten zur Verfügung. Das Gemeindeleben ist reichhaltig, bunt und abwechslungsreich. Viele verschiedene Gruppen treffen sich unter den Dächern der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein und führen im 21. Jahrhundert die Tradition fort, die 1610 ihren Anfang nahm.
Programmheft im Peter-Beier-Haus und im Internet erhältlich
Das gesamte Programm zum Jubiläumsjahr der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim ist unter anderem im Peter-Beier-Haus, Wallstraße 93, erhältlich. Außerdem kann es im Internet unter www.kirche-koeln-muelheim.de heruntergeladen werden.
Die Buchpublikation „400 jahre evangelisch in mülheim“, herausgegeben von Wilma Falk-van Rees, ist im CMZ-Verlag erschienen und kostet 24,80 Euro, ISBN 978-3-87062-400-2.
Die Friedhofsbroschüre „Ich weisz an welchen ich glaube“, herausgegeben von Wilma Falk-van Rees, Dietrich Grütjen und Annette Scholl, kostet 7,50 Euro, ISBN 978-3-942186-00-1.
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