Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Deutschlandweit erste ökumenische Partnerschaft wurde neu unterzeichnet

Herwig H. Mauschitz: „Wir stehen in aller Unterschiedlichkeit unserer Kirchen unlösbar beieinander“

26.11.2014

In einem gemeinsamen Gottesdienst am Buß- und Bettag in der katholischen Kirche St. Adelheid in Köln-Neubrück wurde die erste ökumenische Gemeindepartnerschaft, die es deutschlandweit gab, jetzt noch einmal bekräftigt und neu unterzeichnet: Herwig H. Mauschitz, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg, und Gerd Breidenbach, Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Adelheid, erinnerten in ihren Ansprachen an Zeiten, in denen es noch befremdlich und neu gewesen sei, „gemeinsame Wege zu suchen und zu finden“.

Die Pfarrer Herwig H. Mauschitz, Gerd Breidenbach, Klaus Bußmann, Rainer Fischer und Franz Meurer während des feierlichen Gottesdienstes in St. Adelheid (v.l.).
Damals wie heute wolle man jedoch, „das ökumenische Anliegen voranbringen und die Einheit der Kirchen in versöhnter Vielfalt anstreben“. Wie stark das Interesse an dieser ökumenischen Arbeit ist, zeigte die Tatsache, dass die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. „Ich habe mich sehr gefreut, und war positiv überrascht, dass so viele Menschen an unserer Feier teilgenommen haben. Auch der anschließende Umtrunk war noch lebhaft besucht, die Menschen nutzten die Gelegenheit, sich mit dem Thema Ökumene auseinanderzusetzen“, so Mauschitz am Tag nach der erneuten Unterzeichnung.

12 Partnerschaften - weitere sind in der Planung
„Das Miteinander der Kirchen braucht elastische Bänder, um ein ökumenisches Leben zu gestalten“, beschrieb Mauschitz im Gottesdienst die Arbeit vor Ort. Pfarrer Gerd Breidenbach brachte seine Erfahrungen ebenfalls auf den Punkt: „Die praktische Ökumene ist vielleicht vergleichbar mit der Liebe, die durch den Magen geht, dieser Punkt fällt uns allen relativ leicht“, meinte er. Doch dauere ihm oftmals insgesamt der Prozess zu lange. „Ich würde gerne schneller handeln. Doch ich bin froh, dass wir in Köln bereits zwölf Partnerschaftsvereinbarungen haben und weitere in der Planung sind“, so Breidenbach. Auch Mauschitz, der viele Jahre als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bonn tätig war, erklärte, wie wichtig die gemeinsame Arbeit in der Gemeinde sei.

„Kirche der Zukunft ist ökumenisch"
In seiner Predigt bezog sich Mauschitz auf den Brief des Paulus an die Epheser (4, 1-7), in dem Paulus dazu aufforderte „Ertragt einer den andern in Liebe“. Auch in der Ökumene solle man „einander in Liebe ertragen“. Das ökumenische Miteinander funktioniere nicht, indem alle nach einer Pfeife tanzten, so Mauschitz, sondern nur dort, wo „man maßvoll mit dem umgeht, was der eigenen Konfession anvertraut wurde“. Jede Konfession habe „ihr Maß an Gnade empfangen“, und keine könne die Fülle der Gnade alleine abbilden. Mauschitz folgerte: „Ferner gehören unsere Kirchen weder den Kirchenmitgliedern, noch den Pfarrern, Bischöfen, Kardinälen, auch nicht dem Papst - auch wenn wir uns manchmal so aufführen.“ Man dürfe „einen Wimpernschlag im Angesicht der Ewigkeit, eine kurze Lebenszeit dabei sein und mitarbeiten“, mehr jedoch nicht. „Alles andere wäre eine Anmaßung“, denn: „Die Kirche der Zukunft wird eine ökumenische sein oder keine haben.“ Ein letztes Gegeneinander in den verschiedenen Konfessionen sei theologisch ausgeschlossen: „Wir stehen in aller Unterschiedlichkeit unserer Kirchen unlösbar beieinander“.

Großes Interesse an der erneuten Unterzeichnung
Einen deutlichen Schritt in diese Richtung gab es nun durch die erneute und feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung in Neubrück. Neben den beiden Pfarrern unterzeichneten auch Stephan Pohl und Ursula Liesner für den katholischen Pfarrausschuss sowie Hans-Jochen Schaefer für das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg die Erklärung. An der feierlichen Unterzeichnung nahmen auch Andrea Vogel, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, Pfarrer Jörg Wolke, Pfarrer Franz Meurer sowie Klaus Bußmann, der 1999 den ersten Vertrag für die katholische Pfarrgemeinde unterschrieben hatte, teil. Jürgen Schilling, der damals für die evangelische Kirchengemeinde diesen wichtigen Schritt umsetzte, war leider verhindert. Ebenfalls vor Ort war Pfarrer Monsignore Rainer Fischer, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln.

Projekte mit Kindern und Jugendlichen
Im wahrsten Sinne des Wortes einen besonderen Platz nahmen auch die Pfadfinder der Pfarrgemeinde St. Adelheid ein, sie begleiteten den bedeutsamen Moment in den vorderen Reihen. Dies kam nicht von ungefähr, denn ein Bestandteil des Partnerschaftsvertrages besagte vor 15 Jahren und nun wieder: „Schwerpunktmäßig wollen wir gemeinsame Projekte mit unseren Kindern und Jugendlichen fördern, um ihnen den ökumenischen Geist nahezubringen und damit Grundlagen für eine gemeinsame christliche Zukunft zu schaffen“.




Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund

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