Leidenschaft für Konzerte "Alter Musik" und deren Akteure: Musikportal



09.10.2010

Nicht wenige Menschen ärgern sich regelmäßig über etwas. Wenn dieses Ärgernis dann gleich auch noch eins ist, das man mit anderen Menschen teilt, liegt ja wohl kaum etwas näher, als Abhilfe zu schaffen - wenn das denn möglich ist. Doch viele von uns ärgern sich lieber weiter, als aktiv zu werden. Zumal, wenn dieses Aktiv-Werden mit nicht unerheblicher Arbeit verbunden ist... Arbeit, die einem niemand bezahlt. In solchen Situationen wird man wohl nur dann aktiv, wenn man von einer gewissen Leidenschaft getrieben ist. So wie Matthias Hugo. Der Mann ist eigentlich Grafik-Designer. Doch eine seiner Leidenschaften gilt eindeutig der Alten Musik. Und sein Ärgernis war die Tatsache, dass er oft bei den tollsten Konzerten Alter Musik viele Plätze vor, hinter und neben sich im Konzertsaal leer fand. Warum hat dieses Konzert keine größere Öffentlichkeit gefunden?, ist da eine nahe liegende Frage. Und da lag das Abhilfe-Schaffen für einen Grafiker ganz nah: Er baute eine Internetseite auf. Nein, nicht nur eine "Seite", sondern gleich eine ganz Plattform. Auf der möchte er allen Kölner Musikerinnen und Musikern, die sich um die Aufführung Alter Musik verdient machen, eine (virtuelle) Öffentlichkeit bieten: "Besonders hervorgehoben werden sollen Ensembles, die sich einen Ruf in der historisch adäquaten Aufführung unter Verwendung von Nachbauten originaler Instrumente erworben haben. Ein wichtiges Anliegen ist jedoch nicht nur, etablierte Orchester, Ensembles und Chöre zu präsentieren, sondern auch die vielen Künstler, Veranstalter und Kirchengemeinden, die mit viel Engagement einzigartig schöne Konzerte ermöglichen und die schon fast vergessene Musik wieder erklingen lassen. Außerdem möchten wir die Menschen erreichen (insbesondere Jugendliche), die bisher keinen oder nur wenig Bezug zu historischen Klängen hatten", so beschreibt Hugo das Anliegen seiner Internetseite www.klassik-köln.de.

Auf der Startseite des Internetportals www.klassik-koeln.de

"Lassen Sie sich (...) inspirieren!"
Gestartet hat er die Internetseite im Januar 2010. Und da wurde der Evangelische Kirchenverband Köln und Region sozusagen zu einem der ersten "Kunden" Hugos: Durch die Einweihung der neu eingebauten Klais-Orgel in der evangelischen Trinitatiskirche wurde ein Jahresprogramm voller Highlights der Klassischen Musik präsentiert. Und beide Seiten freuten sich: Das Amt für Presse und Kommunikation des Verbands über die neue, zusätzliche Publikationsmöglichkeit. Und Matthias Hugo über die vielen hochkarätigen Konzerte. Seitdem ist gut ein Dreivierteljahr vergangen. Und aus dem einstigen Ärger ist an so manchen Stellen und für viele Menschen ein Grund zur Freude geworden, nicht nur für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region. Im jüngsten Newsletter von klassik-koeln.de stand: ".... möchten wir Sie über musikalische Höhepunkte nach der Sommerpause informieren. Wir freuen uns über die stetig wachsende Resonanz und die zahlreichen neuen Einträge. Lassen Sie sich für die zweite Jahreshälfte inspirieren."

Das Portal lebt - und expandiert
Und siehe da: Setzte sich Hugo anfangs noch intensiv mit den Grundbegriffen der "Alten Musik" auseinander, geht es jetzt bereits um Expansion: Das neue Internetportal ist in eine Lücke gestoßen, die in der reichen Musiklandschaft Kölns offensichtlich überfällig war. Die Zahl der Newsletter-Abonnenten steigt, die Zahl der Konzert-Einträge (die man übrigens - ebenso wie die Einträge in die Liste der Musiker - jederzeit selbst vornehmen kann) ebenfalls. Und auch die regionalen Grenzen sind bereits gesprengt: Mit den Meldungen zum "Festival Alte Musik Knechsteden" ist der Raum Dormagen einbezogen, auch bundesweite Festspiele mit einem Schwerpunkt auf "Alter Musik" sind vertreten. Und durch die Einbeziehung des wöchentlichen Newsletters aus dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, besser gesagt, dessen Konzertmeldungen, sind sozusagen "automatisch" auch der Rhein-Erft- und der Rheinisch-Bergische Kreis mit ins Blickfeld gerückt. Natürlich: So, wie auch wir auf die Kooperation mit Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern aus den Gemeinden angewiesen sind, lebt auch dieses Musikportal vor allem von der Qualität der Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Doch Hugo tut sehr viel dazu, dass diese Kooperation funktioniert: Gibt zum Beisiel eigene CD-Tipps unter den Überschriften "Sternstunden", "Neuerscheinungen" und "Standards" - immer mit Hörbeispielen, und unter besonderer Berücksichtigung von Musiker/innen aus dem Kölner Raum.

Respekt vor allen Akteuren
Aber vielleicht die wichtigste Rubrik des Portals findet sich unter der Überschrift "Jugend meets Klassik". Hugo schreibt dazu: "Klassische Musik entdecken und Spaß daran haben – das ist das Ziel von vielen Konzerten und Aufführungen, die sich speziell an Kinder und Jugendliche wenden. Musikalisches Vorwissen wird nicht benötigt, denn mithilfe beispielsweise von moderierten Konzerten und einem direkten Kontakt zu den Künstlern werden Kinder und Jugendliche an die klassische Musik herangeführt.." Und dann kommen die Einträge - da können sicher auch manche Musikliebhaber noch etwas dazu lernen. Wer kennt denn beispielsweise schon die "Sockenkonzerte" - eine Musikreihe "für alle Menschen zwischen 5 und 99 Jahren", mit mittlerweile zwei Standorten in Köln? Oder die regelmäßigen Schüler-Konzerte im Heliostum von Köln-Ehrenfeld? Noch vieles mehr gilt es in dieser liebevoll zusammengestellten Rubrik zu entdecken: Möglichkeiten zur musikalischen Ausbildung, professionell an Akademien und Hochschulen oder in zahllosen privaten Musikschulen. Wohl kaum ein Ensemble, Orchester oder Chor aus Köln und Region, das oder der sich mit Alter Musik beschäftigt, fehlt im Verzeichnis der Musiker. Auch für Gesuche und Mitteilungen von Orchestern und Chören ist Raum auf dieser Seite. Und die Veranstaltungshinweise, die sind sowieso immer lesenswert: übersichtlich aufbereitet, immer aktuell, flankiert von Hinweisen auf andere Veranstaltungskalender..... und spätestens hier wird deutlich: Dieser Matthias Hugo, der arbeit mit leidenschaftlicher Akribie, großer Liebe zur Sache, Fachkenntnis und Respekt vor allen Akteuren. Er sucht die Kommunikation und ist dabei doch kein bisschen eitel. Es geht ihm einfach nur um die Sache. Und um die Abschaffung der vielen leeren Stühle in manchem guten Konzert.

Was ist eigentlich "Alte Musik"?
Zum Schluss, sozusagen als Beleg seiner "Leidenschaft für die Sache" noch einige Überlegung von Matthias Hugo rund um das Thema Alte Musik: "Was zur 'Alten Musik' zählt und was nicht, wird immer wieder leidenschaftlich diskutiert. Gehört beispielsweise ein Konzert mit Werken von Haydn oder gar Brahms zur Alten Musik, weil es nach historischer Aufführungspraxis aufgeführt wird ? Oder ist es keine Alte Musik, wenn ein Ensemble zwar Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann spielt, dabei aber keine historisch korrekten Instrumente verwendet? Und welche Kriterien werden bei Vokalsolisten und Chören zur Beurteilung herangezogen? Im Allgemeinen versteht man unter 'Alter Musik' europäische Musikstile des Mittelalters, der Renaissance und des Barock. Lange Zeit wurde diese Musik in Konzertsälen und Opern wenig beachtet oder nicht im Originalklang aufgeführt. Doch seit einer Reformbewegung, die in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts begann, sieht man in der Alten Musik eine wertvolle Bereicherung des gängigen klassischen und romantischen Repertoires. Es vollzieht sich darüber hinaus sogar eine andere interessante Entwicklung: Vermehrt bringen engagierte Musiker der Alten Musik neue Impulse in die Aufführungen der Klassik und Romantik. Dadurch werden auch dort bekannte Werke im historisch korrekten Klangbild ihrer Entstehung gespielt und so neue Höreindrücke möglich. Hier steht die transparente Klanglichkeit und gestische Artikulation der Alten Musik in einem Kontrast zur spätromantischen Tonalität und Fülle der Klangfarben."




Text: AL
Foto(s): www.klassik-koeln.de