Tausend Sonnen und ein Lyrik-Wasserfall aus Papier: Ausstellung „Himmel und Erde“ von Koken Nomura in der Dellbrücker Christuskirche
10.03.2010
„Tausend Sonnen“ zieren die Wand hinter dem Altar in der Dellbrücker Christuskirche, genau genommen sind es etwa 250 Ringe, akribisch zusammengesetzt aus sorgsam gefalteten Papierschiffchen. Das Kreuz in der Mitte teilt die Installation in zwei Hälften: Links vom Kreuz gibt es nur schwarzweiße, rechts farbige Ringe. Insgesamt entsteht so ein meditatives Altarbild von großer Strahlkraft. An der gegenüberliegenden Wand fließt der "Lyrik-Wasserfall", bestehend aus mehr als 300 weißen Papierstreifen, jeder einzelne drei Meter lang und acht Zentimeter breit. Sie sind beschrieben mit Haikus, japanischen Kurzgedichten, die einem bestimmten Silbenschema folgen, zum Beispiel: „Denk ich, dass der Schnee auf dem Hute mir gehört, trage ich ihn leicht“ oder „Erster Tag im Jahr. Nichts ist böse, nichts ist gut, sondern alles lebt“. Die Lebens- und Heilkraft der Natur und die geistige Auseinandersetzung mit ihr sind die Themen der kurzen asiatischen Weisheiten.
![]() | Der japanische Künstler Koken Nomura vor seinem Werk in der Christuskirche |
Kirche ist ein Ort für geistige Auseinanderstzung
Der japanische Künstler Koken Nomura, der seit 1978 in Köln lebt, hat die Textzeilen mit Tusche auf die Papierbänder geschrieben und auch die Sonnen gefaltet. Die beiden Installationen sind Teil seiner Ausstellung „Himmel und Erde“, die noch bis zum 21. März in der Christuskirche, Dellbrücker Mauspfad 365, zu sehen ist. Wie alle Künstler in der Reihe „kunst in der christuskirche“ hat auch Nomura seine Installationen eigens für diesen Raum konzipiert. „Eine Kirche ist ein Ort, in dem man Gott, Frieden, Liebe und Geborgenheit sucht. Sie ist auch ein Ort, in dem eine geistige Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft und der Natur ausgetragen wird.“ Dafür wolle er sensibilisieren und dies mit seiner Kunst verstärken. „Der Raum und die Kunst bilden eine Symbiose und verdichten die Raumatmosphäre.“
Mensch, Tier und Natur bilden eine Synthese
Koken Nomuras aktuelle Ausstellung "Himmel und Erde" hat neben "Lyrik-Wasserfall" und "Tausend Sonnen" noch eine dritte Komponente: Es sind Fotoarbeiten aus seiner Serie "Himmel und Erde". An den beiden Seitenwänden, ungefähr in der Mitte des Kirchenraums, hängt jeweils ein großes Foto vom Wattenmeer in Cuxhaven. Die Mittellinie der Fotos bildet den Horizont zwischen Himmel und Wattenmeer. Ein Bild zeigt die auf dem Schlick durch Wattwürmer verursachten Muster, das andere die von Wind und Wasser hinterlassenen Spuren. „Mit diesen Kunstwerken möchte ich verdeutlichen, dass Mensch, Tier und die gesamte Natur sowohl physisch als auch geistig nie getrennt waren, sondern eine Synthese bilden“, erläutert der Künstler, der im vergangenen Herbst auch schon im Stadtmuseum ausgestellt hat.
Finnisage am Sonntag, 21. März, 20 Uhr mit Musik
„Himmel und Erde“ ist die 13. Ausstellung in der Reihe „kunst in der christuskirche“. Eine Gruppe, bestehend aus Gemeindegliedern und Künstlerinnen, wählt die Ausstellenden aus. „Wir versuchen, immer wieder andere Ausdrucksformen auszuwählen“, betont Erika Baumberger, eine der Initiatorinnen. Entscheidend sei jedoch, „dass sich die Werke mit dem Raum der Christuskirche individuell auseinandersetzen.“
Die aktuelle Ausstellung „Himmel und Erde“ von Koken Nomura ist sonntags von 12 bis 15 Uhr, mittwochs von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Sie endet mit einer Finissage am Sonntag, 21. März, 20 Uhr, mit Musik von Guntram Freytag und der Gruppe d´accord sowie Gast-Sängerin Mechthild Brand mit „Latin impressions“.
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